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Volontäre 2004
Anreise
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Volontäre 2004
Anreise | Anreise |
| Geschrieben von Christoph Flohr | |
| Thursday, 15 January 2004 | |
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Anreise Den letzten Tag in Chile hatten wir alle frei, um noch die letzten Vorbereitungen zu treffen und wurden dann gegen 20:00h von Marcelo mit dem ganzen Gepäck abgeholt. Insgesamt war es wesentlich mehr als wir gedacht hatten und konnten die 30 Kisten sowie das persönliche Gepäck im Tur-Bus aber alle ohne Probleme mitnehmen. In Arica waren wir nach 30 Stunden Busfahrt sogar eine Stunde zu früh und hatten genügend Zeit, die Angelegenheiten mit Chilebus zu regeln und haben sogar das Geld für das Ticket von Gonzalo, unserem Psychologen, zurückbekommen. Dieser hatte nämlich in letzter Minute noch abgesagt, weil ihm eingefallen war, dass er noch seine Diplomarbeit schreiben musste. Von Arica ging es hoch auf knapp 4.700m, wo die Grenzstation ist. Zuerst wurde uns erklärt, dass wir nur für 30 Tage ein Visum bekommen könnten, weil sie nur einen Stempel für 30 Tage hätten, nach einigem Hin und Her klappte es dann aber doch. Den ersten war bereits wegen der Höhe etwas unwohl - schwindelig eigentlich fast allen. In Ohnmacht gefallen ist aber zum Glück niemand. Besonderes Glück hatten wir außerdem, weil unserer Gepäck nicht kontrolliert wurde. Das wäre nämlich unser schlimmster Alptraum gewesen, weil die Grenzer sonst alle Säcke, Tüten und Kisten aufgeschlitzt hätten. An riesigen Lama-, Alpaka- und Vicunaherden ging es durch eine atemberaubende Landschaft, die durch wilde Schluchten, weite, kahle Hochebenen und schnell wechselnde Wolkenformationen gekennzeichnet war. Der erste Eindruck von Bolivien war aber, dass wir uns wie in einer anderen Welt vorkamen. Während in Chile die meisten Menschen ziemlich europäisch aussehen, sind hier fast alle noch traditionell gekleidet, wohnen in den Bergen in spartanischen Lehmhütten und es scheint, als ob die Zeit hier vor 400 Jahren stehen geblieben wäre. Fotos können wir leider nicht zeigen, da alle aus Angst vor Diebstahl ihre Digitalkameras zu Hause gelassen haben. Hoffentlich können wir aber hinterher noch ein paar einscannen. Als wir gegen 18:30h schließlich in Cochabamba ankamen, wurden wir von allen Jungen des Hogar Alejandro Magno schon an der Strasse mit vielen bunten Plakaten erwartet, die sie extra für uns gemalt hatten. Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet und auch die anderen Leute im Bus, die uns für eine große jugendliche Reisegruppe gehalten hatten, staunten nicht schlecht, als draußen 60 Kinder mit Transparenten standen und wild durch einander schrieen, als wir ausstiegen. Es war ein fabelhafter Empfang, der nur etwas darunter litt, dass dem Busfahrer das Auspacken nicht schnell genug ging und wir noch kontrollieren wollten, ob auch tatsächlich alles angekommen war. Wir hatten aber Glück und es war nichts weggekommen und in einer großen Prozession trugen die Kinder alle Sachen ins Heim – jeder die größte Kiste, die er finden und gerade noch schleppen konnte. Auch Hermana Nancy von der Fundacion Cristo Vive Bolivia war gekommen, allerdings war der Trubel so groß und wir so müde, dass wir es gar nicht richtig mitbekommen haben, was etwas schade war, aber wir werden sie bestimmt noch mal besuchen. Robert, Nikolaus und Julia waren ja schon eine Woche vorher angereist und hatten sich schon etwas eingelebt. Don Gildon, der Heimleiter und Carla, die Leiterin des Mädchenheimes Maria Cristina, begrüßten uns alle und anschließend brachten die Kinder jedem von uns ein Bändchen in den bolivianischen Farben mit Stecknadel als Willkommensgruss. Es war echt unheimlich schön und bewegend. Weil alle von der 40 stündigen Fahrt ziemlich mitgenommen und müde waren, haben wir schnell unser Gepäck in die drei Schlafräume gebracht und wurden danach noch mit einem Abendessen überrascht. Selbstgemachte Nudeln mit Linsen und frischgebackenes Brot. Das Beste kam aber noch: Plötzlich wurde das Licht ausgeknipst und zehn Jungen mit Kerzen stellten sich vor unseren beiden Tischen auf und hatten für uns ein Lied einstudiert, was sie dann ganz andächtig vorsangen. Nach dem Candle-Light-Dinner mit Kammermusik sind die ersten ins Bett gefallen und die restlichen haben noch etwas mit den Jungen gesprochen oder wie Dominik etwas Fußball gespielt. Während der erste Eindruck vom Heim (für mich) eigentlich wesentlich besser war als erwartet, machen die Kinder zum Teil einen ziemlich verwahrlosten Eindruck, obwohl sie ihre Ausgehkleidung anhatten. Es gibt viele Behinderte, die von den anderen geärgert werden oder auf dem Boden herumrutschen oder von oben bis unten mit Zahnpasta beschmiert sind. Zur Heimleitung möchte ich nach einem Tag noch kein Urteil abgeben, da ich darüber erst nach ein paar Tagen etwas sagen kann. Unsere Unterkünfte sind akzeptabel und einige haben sogar Betten. Zwei Räume sind relativ neu, allerdings herrscht auch dort ein etwas muffiger, feuchter Geruch mit leichter Urinnote vor. Mit den Bädern ist es etwas unpraktisch, da wir für 25 Leute zwei Bäder haben und es weder Klotüren noch Duschvorhänge gibt, so dass wir im Augenblick in einer 68er Kommune wohnen. In der kommenden Woche werden wir allerdings auch diese Dinge in Angriff nehmen. Saludos de Bolivia, Todo el grupo del proyecto Bolivia 2004 Christoph Flohr |
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| Letzte Aktualisierung ( Thursday, 02 December 2004 ) |
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