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Willkommen auf den Webseiten des Bolivienprojekts
Das Bolivienprojekt
wird seit einigen Jahren von jungen, motivierten Menschen organisiert,
die ein freiwilliges soziales Jahr oder ihren Zivildienst in der
Fundacion Cristo Vive leisten.
Da in den Sommerferien (Januar/Februar) die meisten Einrichtungen, wo wir jungen Leute arbeiten, geschlossen sind, haben wir die Möglichkeit, unser eigenes Projekt im Nachbarland Bolivien zu organisieren.
| Eine Bilanz nach knapp 3 Wochen |
| Geschrieben von Cristobal | |
| Thursday, 03 February 2005 | |
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Wie Julian in seinem Artikel (Die Ankunft) schon geschildert hat, waren die ersten Eindruecke, die wir von den beiden Heimen (Alejandro Magno = Jungenheim & Maria Christina = Maedchenheim, nur zur weiteren Orientierung in diesem Artikel) erhielten, zwar sehr erschuetternd, aber zugleich auch motivierend, da wir hier einfach an so vielen Stellen helfen koennen. Maria, die neue, sehr faehige Direktorin des Maedchenheims, und eine Erzieherin des Jungenheims fuehrten uns am ersten Tag durch die Waisenheime. Sie machten dabei keinen Hehl aus den teils erbaermlichen Zustaenden und baten uns in vielerlei Beziehung um Hilfe: Im Maedchenheim troepfelt der Regen an vielen Stellen durch das undichte Dach (ein besonderes Problem in der boliviansichen Regenzeit). In beiden Heimen sind wir um jeden Tropfen Wasser froh, der die Wasserhaehne verlaesst - an duschen ist fast nicht zu denken. Das Maedchenheim koennen wir nur ueber Bretter betreten, die eine Bruecke ueber den See im Innenhof bilden, der sein Wasser aus dem die Strasse hinunterfliessenden Abwasser der industriellen Nachbarschaft rekrutiert. Ueberall begegnen uns kaputte Fenster, Schraenke, die Tueren vermissen lassen, fehlende Holzlatten im Fussboden und Lampen, die ihren Geist schon lange aufgegeben haben. Uns faellt auf, dass die kleinen Wichte fuer ihr Alter sehr schwere Aufgaben erledigen muessen. Im Hogar Maria Christina muessen die Maedels Mittags ihre ganze Waesche an den Waschbecken selbst waschen, da es an einer Maschine zur Erledigung dieser Arbeit fehlt. Im Jungenheim (aehnlich wie im Maedchenheim) bereitet eine Gruppe, unter Aufsicht einer einzigen Koechin, das Essen fuer die ganze Mannschaft vor. Spaeter organisiert dieselbe Gruppe, fast alleine, den Abwasch fuer ueber 60 Kinder. Von der Tatsache, dass sie Morgen fuer Morgen das ganze Heim putzen, mal ganz abgesehen. Wir bemerken aber auch schnell, was den Kindern neben ordentlicher Kleidung und Hygiene am meisten fehlt: Liebe und Zuwendung … Von diesen Eindruecken ergriffen, stuerzte sich jeder auf eine Aufgabe: Christiane, die mit Niko zusammen schon einige zuvor Tagen angkommen war, deutete uns auf die mangelnde Betreuung der Kinder im Maria Christina hin. Der Sommerferienmonat Januar bedeutet fuer sie normalerweise viel mehr Langeweile als Vergnuegen, da sie das Heim fast nie verlassen duerfen und das Engagement des staatlichen Personals mit 10-facher Potenz zu Null hin tendiert. So machte sich flugs ein Trupp Voluntarierinnen auf, dem Abhife zu schaffen und verschiedene Talleres ( = Spiele/Aufgaben) anzubieten. Haarbaendchen knuepfen, Kreisspiele, Tanzen und sogar Step Aerobik (eine Taller, das von so manchen maennlichen Voluntarier zunaechst mit einem herablassenden Laecheln quittiert wurde) kamen bei den Maedels gut an. Jan und Totti (alias Tobias Otto) machten sich die anstehenden Reperationen im Maria Christina zur Aufgabe. Dabei liess es sich unser Kunsttalent Totti nicht nehmen, waehrend der Inventur von allen Maengeln eine detaillgetreue Zeichnung anzufertigen. In den naechsten Tagen mussten kaputte Scharniere, Lampen, Steckdosen und auch eine Klingel ihren Platz fuer funktionierende Dinge ihrer Art raeumen. Zudem wurde eine neue Telefonleitung ins Zimmer der Direktorin verlegt und der Sicherungskasten wurde modernisiert. Hierbei legten unsere beiden Hobbyelektiker zwischenzeitlich auch das benachbarte Heim von drogenabhaengigen Jungendlichen lahm. Ein anderes amuesantes Beispiel fuer die merkwuerdige stromtechnische Verknuepfung zwischen den Heimen (das gleiche galt uebrigens auch fuer das Wasser) war der Stromschlag, den Totti bei einer Reperatur einer Steckdose, trotz ausgeschaltetem Strom, erhielt: Die Steckdose wurde mit Strom vom Nachbarheim versorgt. Unser chilenischer Schreinermeister Alex, Nico, der zweite Chilene im Bunde, und Till nahmen sich der Aufforstung der voellig verwahrlosten Schreinerei im Alejandro Magno an. Nachdem anfangs einige defekte Maschinen die Arbeit erschwerten, produzieren sie jetzt dort Baenke fuer das Maedchenheim, Webrahmen fuer Talleres, Mueckennetze fuer die Fenster (dass dies noetig ist, merken wir allmorgendlich, wenn wir uebersaet von Mueckenstichen aufwachen) etc. . Ob wir von unserem Restgeld am Ende noch einen Schreinereilehrer engagieren werden, der den Jungs zu einer besseren Zukunft auf dem nicht besonders aussichtsreichen bolivianischen Arbeitsmarkt verhelfen koennte, ist bisweilen noch unklar. Simon, Judith (eine Voluntarierin einer anderen Organisation) und ich kuemmerten uns um die Reperatur des Wassersystems im Maedchenheim. Ein Vorhaben, das nicht nur mit einem erheblichen finanziellen, sondern auch organisatorischen Aufwand (siehe Extraartikel) verbunden ist. Dass sich das Hauptproblem durch die Oeffnung des Hauptwasserhahns loesen liess, von dem allerdings niemand in diesem Heim wusste (auch wieder ein Indiz fuer die Unfaehigkeit des Personals), war schon leicht grotesk. Nichtsdestotrotz werden wir mit einem Klempnermeister, der den hier gaenigen Tageslohn von 5 Euro (!) erhaelt, einen groesseren Tank auf dem Dach installieren, um den Wasserdruck zu erhoehen, alte Roehren austauschen und die Boiler fuer die Warmwasserzufuhr wieder auf Trab bringen. Zudem haben wir jetzt einen Filter bestellt, der das zur Zeit krebserregende Wasser trinkbar machen wird. Wir hoffen bloss, dass uns noch Zeit bleibt, um dasselbe Projekt im Jungenheim zu verwirklichen. Nikolaus, der einzige aus der 05-Truppe, der auch schon 04 dabei war, half uns in der ersten Zeit, die benoetigten Dinge einzukaufen und zeigte uns, wo diese am guenstigsten zu bekommen sind. Dabei fuehrte uns der Weg immer wieder auf die Cancha, einem riesigen Markt, vergleichbar mit dem Bio-Bio in Santiago, nur noch viel guenstiger und mit einer noch groesseren Warenvielfalt. Da Nikolaus uns leider schon verlassen hat, uebernimmt jetzt Simon seinen Part. Dass sich unsere Aktivitaeten in der ersten Woche vor allem auf das Maedchheim konzentrieten, hing damit zusammen, dass im Alejandro Magno zunaechst einige junge peruanische Schwestern aushalfen, da sich das staatliche Personal zu dieser Zeit im Urlaub befand. Sie arbeiteten mit vollen Einsatz und brachten den Jungs die Aufmerksamkeit, Zuwendung und Liebe entgegen, die sie wohl eigentlich das ganze Jahr ueber benoetigen wuerden. Es mag etwas pathetisch klingen, aber fuer mich hat durch sie die Liebe Gottes geschienen …
Zu ihrer Verabschiedung haben wir die Karnevalsfeier vorgezogen, die hier traditionell mit einer grossen Wasserschlacht begonnen wird. Bei dieser blieb es dann nicht aus, dass Kinder, Voluntarier und auch Schwestern im Matsch landeten. Nachdem wir am Nachmittag einige Spiele mit den Kindern ausgetobt hatten, servierten wir am Abend den “Kleinen” ein leckeres Essen mit Haehnchen, Kartoffelsalat, Obstsalat etc. . In der Nacht haben wir dann mit den Grossen und den Schwestern uns um ein riesiges Lagerfeuer versammelt und verbrachten bei Stockbrot, Wuerstchen, Liedern (wir trugen unseren Teil mit “Probiers mal mit Gemuetlichkeit” bei) und einigen erstaunlich nachdenklichen Gedichten der Aelteren, einen wunderschoenen Abend. Die grossen Unterschiede des paedagogischen Konzeptes der Schwestern und dem des staatlichen Personals bekamen wir (bzw. viel mehr die Kinder ) schon am ersten Abend nach ihrem Abschied zu spueren: Waehrend die Kindern bei den Schwestern das Essen froehlich nach einem Gebet und einem Lied begannen, mussten sie jetzt mit Gebruell und Stockschlaegen zu Ruhe gebracht werden. Eine Szene, die uns schon sehr betroffen gemacht hat. Nun ging es in die zweite Woche unseres Aufenthalts, und mit der Abreise der Schwestern erweiterte sich auch unser Arbeitsbereich. Grund genug, detailliertere Plaene und Aufgabenverteilungen zu erstellen. Zu diesen gehoerten der Englisch-Unterricht in beiden Hogaren, in dem u.a. Eva und Lena den Kleineren, aber auch den Groesseren spielerisch die Sprache naeher bringen. Mit der “Viaje Mundial” (=Weltreise), wollen Lena, Julian und Alex die Kinder mit Kulturen, Laender, Tieren und Pflanzen anderer Laender vertraut machen. Dies erscheint uns angesichts der Tatsache, dass die Schulbildung der Kinder sehr schlecht ist und sich ihre Perspektive fast nur auf ihr Heim beschraenkt, aeusserst wichtig. Der chilensiche Nico, Musikstudent, und unsere spaeter nachgekommene “Gitarrenqueen” Lisa bieten einen Musikworkshop an, was von Schwester Nancy (der Vorsitzenden von der FCV Bolivia) auch audruecklich gewuenscht wurde, da Talente der Kinder in dieser Hinsicht kaum gefoerdert werden. In einem anderem Taller erzaehlen wir griechische Mythen bzw. Kindergeschichten, woraufhin die Kinder dann eine Szene, einen Helden, ein Fabelwesen etc. aus der jeweiligen Geschichte malen sollen. Naturlich gehoeren auch verschiedene Sportarten wie z.B. Tanzen, Fussball und Kreisspiele dazu. Im Fussball steigern wir Voluntarier uns in den Spielen gegen die Jungs paso a paso, wobei uns die Hoehe von 2500 m doch immer noch zu schaffen macht. Ausserdem fallen immer wieder einige Spieler von uns Voluntariern aufrund von Durchfall, Bauchschmerzen und Fieber aus. Symptome, die sich leider vor allem unter den maennlichen Voluntarien sehr gehaeuft haben. Ob diese Beschwerden auf die boliviansiche Kueche oder einen Virus zurueckzufuehren sind, wissen wir allerdings nicht. In “Hacer de manos” zaubern Marta, Christiane, Kathrin, Doro und andere Voluntarierinnen mit den Kindern Armbaendchen (daraufhin ist vor allem unter den Jungs eine richtige Armbaendchenmanie ausgebrochen), Gipsmasken, Weben etc. . Ein groesserer Workshop ist auch noch unser Theaterprojekt im Maria Christina. In 1 ½ Wochen wollen wir dort das Stueck Caparucita Roja (oder auf deutsch einfach Rotkaeppchen) auffuehren. Die Proben, die Fertigstellung der Kostueme & Buehnenbilder und das Einstudieren von einem Tanz und zwei Liedern wird noch viel Einsatz von den Maedchen und uns fordern. All diese Talleres hoeren sich in der Theorie sehr schoen an, sind aber in der Praxis manchmal schwer zu verwirklichen, da sich die ehemaligen Strassenkinder nur schwerlich fuer laengere Zeit konzentrieren koennen. Die Geduld mit den Kindern nicht zu verlieren, ist wohl eine der groessten Herausfoderungen hier. Zweimal (im Maedchen- sowie als auch im Jungenheim) haben die Kinder Masken zerstoert, die wir zuvor in einem Taller gebastelt haben. Die Strafe, die den schuldigen Kindern vom Personal dafuer auferlegt wurde - im Handstand vor der ganzen Mannschaft an der Wand zu stehen (hacer chancho = Schwein machen) - stiess bei uns Voluntariern allerdings auch auf grosses Unverstaendnis… Zudem haben sich Tamara, Sina (beide spaeter nachgekommen) und Eva der Renovierung des Fernsehraums im Maria Christina angenommen. Die Arbeit gestaltete sich schwieriger als gedacht, da ihnen, nachdem sie dem Raum schon fast fertig gestrichen hatten, die ganze Farbe entgegen kam. So mussten sie den maroden Gips (der hier in fast allen Mauern steckt) in muehsamer Kleinarbeit abspachteln und durften noch einmal von vorne anfangen. Der jetzt sehr gemuetliche Raum wurde schliesslich letztens mit einem Videoabend eingweiht. Ausserdem fuhr Nico mit einigen Kindern zum Arzt, fuer die wir die Behandlung bezahlten, da den Heime selbst fuer so essentielle Dinge kein Geld zur Verfuegung steht. Zwei Maedchen mit Schulterfrakturen und zwei Jungen mit Unterarmbruechen wurden untersucht und verarztet. Zudem erhielt ein Junge mit einem verkuerzten Fuss einen orthopaedischen Schuh. Diese Verletzungen waren zuvor tagelang ohne Behandlung, ja selbst ohne adaequate Schienen vernachlaessigt worden! Dies alles sind Schritte in die richtige Richtung, aber manchmal hat man doch das Gefuehl (vor allem angesichts 68 weiterer Kinderheime dieser Art und 3000 Strassenkindern in Cochabamba), unsere Arbeit sei nicht mehr als der beruehmte Tropfen auf den heissen Stein… Doch wir bleiben dran, jawohl!! |
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| Letzte Aktualisierung ( Friday, 04 February 2005 ) |
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