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Wie es weitergeht, 2. Bericht von Julia
Liebe Bolivien-Voluntarier,
13.3.2004
Ich versuche euch jetzt mal über alles zu informieren, was in den letzen Tagen so in den hogars gelaufen ist.
Manchen von euch hab ich ja schon geschrieben, dass Roger abgehauen ist. Er war die Zeit, nachdem ihr alle weg ward sehr traurig und hat sich einsam gefühlt. Dann kam noch dazu, dass er anscheinend anderen Kindern Sachen geklaut hat und dafür am Montag bestraft werden sollte. In der Nacht von Sonntag auf Montag ist er abgehauen, zusammen mit Jose-Manuel, der aber wieder eingefangen wurde. Roger hat es irgendwie ins nächste Trufi geschafft. Er hat wohl irgendwo in CBBA eine Mutter und ich habe versucht von Pamela (trabjadora social) die Adresse von ihr rauszukriegen. Sie hat sich natürlich mal wieder völlig stur gestellt und wollte nicht damit rausrücken. Sie meinte, man dürfe keine einzelnen Kinder bevorzugen, weil ständig welche abhauen würden und dafür am nächsten Tag zwei Neü kommen. So eine dumme Kuh! Ich war dann mit Hugo am Terminal, weil es uns die einzige Möglichkeit schien, ihn zu finden. Wir haben bei allen Flotas gefragt, ob sie Roger kennen. Ein Junge, der am Terminal arbeitet, hat uns erzählt, Roger sei schon am Morgen nach Santa Cruz gefahren. Er meinte er würde ihn dort treffen. Dem hab ich dann wenigstens noch einen Zettel mitgegeben und geschrieben, dass wir ihm auf jeden Fall helfen, eine Lösung für ihn zu finden. Hatte vorher auch schon mit Nancy gesprochen, die auch meinte, wir könnten ihn hier hoch nehmen. Paola, eine der Mädels, die die Massagen gemacht hat, mochte ihn total gerne und hat sich auch echt bemüht ihn zu finden. Sie hat einen Typ getroffen, der anscheinend weiss, bei wem er in Santa Cruc ist und der ihn gestern Abend nach CBBA bringen wollte. Ich habe sie bisher noch nicht erreicht, weiss also nicht, ob er wirklich gekommen ist.
Ein anderer hogar von SEDEGES wurde geschlossen und die Kinder sind alle ins AM gekommen. Am Freitag kamen 30 und Am Montag noch mal 15. Es werden dann über 100 Jungs sein.
Das Tor wurde letzte Woche endlich fertig geschweisst. Ich hab ständig rumtelefoniert und er hat dauernd versprochen zu kommen, kam aber nie. Ausserdem wollte er auch noch 100 bs. Jetzt hat er es endlich fertig gemacht.
Die Schreinerei sieht noch erstaunlich sauber aus, ist aber auch immer abgeschlossen. Die Musikinstrumente stehen immer noch am gleichen Platz. Ich glaube es gibt keine Verantwortlichen bisher. Paola weiss irgendwie immer von nichts, wenn ich sie was frage. Sie ist wohl etwas überfordert und möchte auch keine Probleme kriegen. Mit der Brille von Roger haben ihr ja alle ziemliche Probleme gemacht.
Der Plomero hat in beiden hogars alles Nötige repariert. Ich fange mal im AM an: in der Küche sind alle Hähne neu und der ganze Ablauf. So steht die Küche nicht mehr unter Wasser. Sind auch so Teile, wo sich der Schmutz sammelt und die man dann ausleeren kann, damit nicht alles verstopft. Draussen in der Lavandereia wurden alle Hähne, die nicht funktioniert hatten ausgewechselt. Hinten im Dormitorio der menores, wo es kein Wasser gab, gibt es jetzt wieder und die Duschen funktionieren. Alle Klospülungen gehen auch wieder. Im MC wurden auch in der Küche die Hähne ausgewechselt, die Klospülungen repariert und oben im bad gibt es wieder Wasser. War natürlich nicht ganz billig, weil wir auch gute Hähne usw. benutzt haben, die aber länger halten und ich glaube, dafür lohnt es sich. Hat etwa 300 Dallar gekostet, die genaue Abrechnung spar ich mir jetzt, wenn es jemand wissen will, soll er es schreiben.
Mit den Brillen hat es ja bei SEDEGES so Ärger gegeben, aber wird jetzt klappen. Nur möchte Pamela es machen. Wir kenne sie ja, dass sie viel erzählt und nichts macht. Ich werde sie aber begleiten, hat sie sogar nichts dagegen gehabt! Ich hoffe mal wir gehen nächst Woche zum Augenarzt. Ist aber soweit ganz okay, ich glaube, wir schaffen es, dass die Jungs ihre Brillen erhalten. Die löchern mich grad auch schon jeden Tag, wann wir endlich zum oculista gehen.
Dann haben wir für die Behinderten/und Problemkinder eine Psychopädagogische Betreuung geplant, auf Spanisch: Apoyo psicopedagogico an ninos del hogar Alejandro Magno en circumstancias especiales de aprendizaje. Die Behinderten vom MC werden auch behandelt werden. Ein Psychologe wird mit den Kindern zusammen mit Senora Anita, die bei dem Empfang beim SEDEGES Karoline so gelobt hat, arbeiten. Der Psychologe, Marcelo Fernandez Morales, ist 25 und total motiviert und hat sehr viele Ideen. Nancy hat mir erzählt, sie hat sich gerade überlegt wer als Psychologe arbeiten könnte, irgendjemand junges, dynamisches und da ist er ihr gerade mit dem Auto entgegengekommen und da wusste sie, der ist es. Sie kennt ihn schon seit längere Zeit. Anita wird als Volontärin arbeiten. Seit Freitag sind Marcelo und ich damit beschäftigt, den Raum herzurichten. Die Therapie wird in dem Zimmer, wo die Theatergruppe geschlafen hat, stattfinden. Wir sind gerade am Streichen und Anita näht die Vorhänge. Ich denke, die nächste Woche werden wir noch brauchen, bis alles fertig ist. Zu zweit sind wir halt doch nicht so schnell, wie das Streicherteam damals. Die anderen Volontarier werden uns aber vielleicht helfen. Es sind zwei neue aus England gekommen. Marcelo hat einen plan de trabajo gemacht, der drei Phasen erhält: 1. Análisis preliminar/diacnostico (15.3.-2-4-), 2. Fase de intervención (3.4.-21-8), 3. fase de evaluación (23.-31.8.). Ist jetzt erstmal für ein halbes Jahr. Er hat das alles noch genaür beschrieben, ich werde euch den Plan schicken, Fotos vom Raum undvon Marcelo und Anita. Marcelo wird quasi von der FCV-Bolivia angestellt und wir werden sein Gehalt zahlen.
Haben mit SEDEGES einen Vertrag für die Zusammenarbeit der FCV mit SEDEGES gemacht. Norma, kennt ihr ja teilweise schon, wird als Physiotherapeutin arbeiten und auch von uns bezahlt werden. Morgen wollen Nancy und ich eine Preiskalkulation machen, mit den Gehältern und was sonst noch zusammenkommt. ZB. wollen wir eine Hausapotheke einrichten. Die Kinder kriegen ja, wenn überhaupt, ein Antibiotika oder Schmerzmittel reingehauen, sonst ist nichts da. Mein Vater wird homeopath. Erkältungs/ Grippe/Magen-Darm / Beruhigungsmittel aus D. mitbringen, wenn er Anfang April kommt. Auch wollen Marcelo und Anita die Medikamentation der Behinderten überprüfen, was für Mittel die kriegen. Rene war letzte Woche mal wieder Superagressiv. Hat ständig die Kleinen geschlagen. Mein Rucksack lag auch im Raum und er hat mit seinen Händen, die voll mit Tisa Molida waren, darin rumgewühlt und nach meinem Geldbeutel gesucht. Er hat ihn auch gefunden und ihn eingesteckt. Marcelo hat es glücklicherweise gesehen. Er wollte ihn natürlich nicht mehr rausrücken, hat nur so dumm gegrinst und plata, plata gesagt. Der blickst schon irgendwie, ist aber echt furchtbar. Marcelo meint, dass z.B. Lauro, Richard und Mowgli sprechen lernen können, dass sie nur noch nie gefördert wurden und deshalb gar nicht den Antrieb hatten, sich zu bemühen.
Dann noch eine Idee von Nancy: Dass wir um das Personal einen Computer kaufen, um es ruhigzustellen, dass sie uns machen lassen machen und dass sie das Gefühl haben, auch was zu bekommen. Es gab mal einen Uralt-computer, der aber verbrannt wurde und jetzt gibt es nur noch eine mechanische Schreibmaschine. Nancy meint, es sei ein guter Trick, dass sie uns nicht dazwischenfahren. Wir hatten auch eine Reunion mit dem ganzen Personal, in der nancy betont hat, dass wir mit ihnen zusammen in einem equipo arbeiten wollen und nicht vorhaben, gegen sie zu arbeiten, sondern gemeinsam zu versuchen, den Kindern zu helfen und sie zu fördern. Ich werde wahrscheinlich weiterhin vormittags im hogar mitarbeiten, ist auch total interessant , hab in den letzten Tagen schon voll viel über Psychologie gelernt.
Dann zu den Patenschaften: ich weiss immer noch nicht, wie das Geld hier ankommt. Anita wird sich auch um die Patenkinder kümmern und die hauptverantwortliche sein. Ihr kann man echt 100% vertrauen, sie wird das sicher gut machen. Vielleicht können wir es so machen, dass das Geld von der FCV-Europa auf ihr Konto überwiesen wird und sie es dann monatlich abheben kann. Wäre besser, als wenn es Karoline immer mitbringt, wenn sie kommt. Bin ganz froh, das ich nicht auch die Verantwortung dafür habe, ist schon genug, überall immer als Volontariervertretung dabeizusein und alles im Namen der Volontarier entscheiden zu müssen. War auch mit dem Plomero gar nicht so leicht für mich, er hat mich immer gefragt, ob wir das jetzt auch auswechseln sollen…und ich müsste dann entscheiden, ob es nötig ist. Ich versuche aber mein Bestes zu tun, nur kann ich euch nicht wegen jeder Kleinigkeit fragen. Deshalb versuche ich euch jetzt wenigstens so gut wie möglich zu informieren.
Für die, die ein Patenkind im hogar Ghenua haben. Ich hab mit der Leiterin gesprochen und es ist etwas schwierig, wenn wir nur einzelne Kinder unterstützen, weil sie sehr darauf achten, dass alle Kinder gleichviel bekommen. Sie meint, dass sie in unserem Fall eine nicht-finanzielle Patenschaft bevorzugen würde. Die Kinder bekommen eigentlich das was sie brauchen Wenn wir Paten für alle finden würde, mit dem gleichen Betrag wäre es okay. Könnt ihr mir schreiben, was ihr von der Sache denkt?
Die Kinder fragen viel ob für sie schon Post angekommen ist. Sie würden sich echt total freuen, was von euch zu hören. Wenn ihr ihnen über Internet was schreiben wollt, könnt ihrs mir schicken, ich kann es hier oben am PC ausdrucken.
Dann nochmal die Postadresse von Nancy:
Hna. Nancy Vega
(para Julia und Name des Kindes/hogar)
Casilla 5027 Cochabamba –Bolivia
Solange ich noch hier bin, könnt ihr es auch an die Postfachadresse von Annemarie schicken:
Annemarie Hofer Casilla 3923 CBBA-Bolivia
Das wärs dann glaub ich, wenn ihr fragen habt oder genaueres wissen wollt, schreibt mir.
Mir gehts sonst echt gut. Ist auch total schön mit den Kindern von hier oben. Die sind so anders, als in den hogars. Jedesmal wenn ich wieder hierher komme fällt es mir auf. Hab auch angefangen qüchua zu lernen. Ein paar Sätze und die wichtigsten Wörter kann ich schon. Dann hab ich mir vor 2 Wochen ein Mountainbike gekauft und heute die erste grössere Tour gemacht. Von den Thermalquellen aus immer weiter hoch. Die Berge und der Blick ins Tal ist echt total schön. Beim runterfahren kriegt man voll den Geschwindigkeitsrausch, muss aber schon aufpassen, dass man nicht aus der Kurve fliegt.
Falls jemand von euch nach CBBA kommt, kann er auf jedenfall bei mir pennen, hab genug Platz in meinem Zimmer.
Jetzt ists echt spät und ich muss hier um 7uhr morgends los, weil wir um 8uhr im AM anfangen zu arbeiten.
Dann grüsst mal alle von mir, Daniel, Joselo…und auch mein Amistad und euch wünsch ich eine gute Zeit in Stgo. und viel Spass bei der Arbeit! Könnt mir gerne eure Rundbriefe schreiben, das ich hier als verlassene Volontarier auch noch ein bisschen was von euch und dem Volontarierklatsch mitkriege.
Ich hab immer noch nicht alle Mail-adressen. Ihr könnts ja weiterschicken an die anderen.
Viele liebe Grüsse
Julia
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